Finnisch-Deutsche Handelsgilde in Hamburg

Emissionsfreie Forstindustrie bis 2035

Das selbstgesteckte Ziel der finnischen Forstindustrie ist die CO2-Neutralität bis 2035 und danach sogar eine negative CO2-Bilanz. Fossilfreiheit erreicht man nur durch Investitionen, nicht durch Restriktionen.

Der Forstsektor ist einer der Schlüsselfaktoren der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Finnlands. Sein Anteil am Bruttosozialprodukt des Landes beträgt rund 10 Prozent und an der Industrieproduktion rund 30 Prozent. Der Forstsektor beschäftigt mehr als 200 000 Menschen und erzeugt etwa 70 Prozent der erneuerbaren Energie in Finnland.

Innovationen für die Umwelt

Eine Reduktion der CO2-Emissionen in der Forstindustrie hat somit einen enormen Einfluss auf die gesamte CO2-Bilanz des Landes. Nach einem im Frühjahr veröffentlichten Bericht des finnischen Forstindustrieverbandes kann sich die Forstindustrie vom Einsatz fossiler Brennstoffe in der Produktion nahezu vollständig bis zum Jahr 2035 trennen. Dafür bedarf es innovativer Produktionstechnologien, vermehrten Einsatzes von nachhaltigem Ökostrom sowie neuer Lösungen hinsichtlich der Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft.

Der Anteil fossiler Brennstoffe in den Produktionsprozessen der finnischen Forstindustrie ist bereits jetzt relativ gering. In 2018 betrug ihr Anteil nur 14 %, wohingegen der durchschnittliche Wert aller EU-Länder bei 40 % liegt. Nach Angaben des finnischen Forstindustrieverbandes beträgt der entsprechende Wert in Deutschland 73 %, in den Niederlanden 91 % und Italien gar 100 %.

Die CO2-Emissionen der Forstindustrie Finnlands haben sich seit 1990 um 49 % reduziert, während die gesamten CO2-Emissionen des Landes im selben Zeitraum nur um 20 % niedriger geworden sind.

„Man muss das große Ganze im Blick behalten. Die CO2-Emissionen müssen reduziert und die Speicherkapazitäten vergrößert werden. Um globale Klimaeffekte zu erzielen, müssen klimaschonende Produkte entwickelt und Kohlenstoffleckagen (Carbon Leakage) verhindert werden, d.h. die Produktion darf nicht in Länder abwandern, in denen niedrigere Umweltvorgaben herrschen“, sagt Timo Jaatinen, Geschäftsführer des finnischen Forstindustrieverbandes Metsäteollisuus ry.

Road Map als Wegweiser für die Zukunft

Der Verband hat einen Klima-Road Map erarbeitet, der als Grundlage für energie- und klimapolitische Entscheidungen der finnischen Regierung dient.

Der Road Map besteht aus vier Themenbereichen:

  1. Erweiterung der CO2-Speicherkapazitäten

Gesunde, im Wachstum befindliche Wälder haben die größten CO2-Speicherkapazitäten.  Gemäß Berechnungen der Forstexperten kann die Wachstumsgeschwindigkeit und damit die Speicherfähigkeit der finnischen Wälder sogar erhöht werden, obwohl das Erntevolumen von zurzeit 72 Mio. Kubikmetern auf das größtmögliche Volumen von 89,5 Mio. Kubikmeter gesteigert würde. Das setzt jedoch aktive Maßnahmen seitens der Forstbesitzer voraus, wie verstärkte und effizientere Aufforstung durch spezielle, veredelte Samen und Setzlinge.

  1. Produkte aus erneuerbaren Rohstoffen

Der Baum hat während seiner Wachstumsphase CO2 aus der Erdatmosphäre gespeichert. Darüber hinaus reduzieren aus Holz gefertigte Produkte CO2-Emissionen, indem sie fossile Rohstoffe verdrängen. Durch das Recyceln des aus der Erdatmosphäre stammenden Kohlendioxids können also Produkte hergestellt werden, Arbeitsplätze geschaffen und eine nachhaltige Wirtschaft aufrechterhalten werden. Das ist die höchste Form der Kreislaufwirtschaft. Das Kohlendioxid kreist zwischen der Erdatmosphäre, dem Baum und der recycelten Produkte.

  1. Reduzierung der CO2-Emissionen

Produktionsprozesse werden durch innovative Technologien energieeffizienter und klimaschonender, indem sie die Umwelt mit weniger CO2-Emissionen belasten.

  1. Verhinderung von Kohlenstoffleckagen

Klimaschutz ist eine globale Herausforderung, für deren Bewältigung alle Länder eine gemeinsame Verantwortung tragen. Wenn jedoch Produktion in Länder mit einer weniger strengen Klimapolitik verlagert wird und dort die Treibhausgasemissionen zunehmen, tritt eine sogenannte Kohlenstoffleckage ein. Dieser Effekt kann nur durch eine Annäherung von klimapolitischen Vorgaben verhindert werden.

Zellstoff als Rohstoff

Neben der effizienteren Waldbewirtschaftung hat also die Herstellung von innovativen holzbasierten Produkten einen sehr hohen Stellenwert in der zukünftigen Entwicklung der Wirtschaft in Richtung Emissionsfreiheit.

Der Sulapac®-Strohhalm bietet eine nachhaltige Alternative für Plastik. Foto: Visit Finland

Die Zellstoffproduktion ist der Ausgangsprozess für viele innovative Produkte. Zellstoff wird z.B. in der Textilproduktion, beim 3-D-Druckverfahren, als Bestandteil von Kompositwerkstoffen sowie in der Pharmaindustrie verwendet. Bei Textilien kann Zellstoff Baumwolle und viele Kunstfasern auf Fossilbasis ersetzen. Dadurch können außer dem Klimaeffekt viele weitere Umweltprobleme reduziert werden, wie z.B. jene im Zusammenhang mit Bewässerung und Einsatz von Pestiziden sowie Mikroplastik im Abwasser. In der Medizin kann Nanozellulose die Heilung von Wunden beschleunigen und  bei der Zellkultivierung eingesetzt werden. Viele holzbasierte Innovationen haben ihren Ursprung in Finnland.

Investitionen in innovative Technologien sind der beste Weg in Richtung einer klimaschonenden Produktion. Dazu sind die Unternehmen des finnischen Forstsektors auch bereit, sofern die Standortbedingungen ein konkurrenzfähiges und verlässliches Umfeld bieten.

Quelle: www.metsateollisuus.fi (Englisch)